Gedächtnistraining und Lernen mit Speedolino II
Speedolinospielen bedeutet auch immer Gedächtnistraining, aber wie werden wir immer besser?
Egal, mit welchem Punktwert ein Spieler beim Lernspiel Speedolino beginnt, seine Steigerungsrate in den ersten Wochen wird enorm sein. Sein Gedächtnis läuft zur Hochform auf, das Kopfrechnen immer leichter. Die Leistungskurve zeigt steil nach oben.
Plötzlich aber stagniert die Punktzahl und schwankt in den nächsten Wochen um den Bestwert. Nur noch kleine Steigerungen sind zu verzeichnen. Nun gilt es aber weiter zu trainieren, denn nach etwa drei Wochen gibt es einen weiteren Schub mit deutlich höheren Punktzahlen.
Der Speedolinoeffekt
Zu erklären ist dieser Speedolino-Effekt mit der Anatomie unseres Nervensystems. Zu Beginn des Spielens bilden sich neue hauchdünne Nervenbahnen, auch Dendriten genannt. Diese werden von Spiel zu Spiel immer stabiler und verdicken sich. Vera F. Birkenbihl hätte es bildlich so ausgedrückt:
Sind es anfangs noch kleine unscheinbare Waldwege, verwandeln sich diese nach und nach zu asphaltierten Straßen. Auf diesen sind Informationen deutlich schneller zu transportieren- die Punktzahlen im Spiel steigen. Mittlerweile kann man sogar deren Geschwindigkeit messen: 3,6 km/h auf den „Waldwegen“.
Wenn aber nach ein paar Wochen die Punktzahl stagniert, beginnt (um im Bild zu bleiben) der Bau von Autobahnen. Der Neurologe weiß, dass diese Nervenbahnen nun mit einer Myelinschicht ummantelt werden. Die Fortsätze der Nervenzelle (auch Axone genannt) kann man sich wie ein Elektrokabel vorstellen. Dessen Leitgeschwindigkeit ist zunächst allerdings relativ gering. Deswegen spielt die Myelinschicht eine entscheidende Rolle: Das Myelin stellt sozusagen die Isolierschicht des Elektrokabels dar.
Das dauert eine Weile, in der keine Steigerungen zu erwarten sind. Manchmal geht die Leistung sogar zurück. Wir kennen dies auch von den Baustellen auf der Autobahn, an denen es auch nur im Landstraßentempo vorbeigeht. Wenn aber der Bau abgeschlossen ist, beschleunigen wir von 3,6 km/h auf 360 km/h.
Wird dann die nächste Höchststufe erreicht, sind mittlerweile viel mehr neue Nervenbahnen angelegt worden, die nun wieder ummantelt werden müssen- aus der zweispurigen Autobahn wird nun eine vierspurige. Ab dann jagen wir mit über 400 km/h auf der linken Spur dahin. Und es kommt uns vor, als wäre es Normalgeschwindigkeit.
Übrigens können die Axone immer wieder ummantelt werden, dass sogar noch höhere Geschwindigkeiten möglich sind.

Und das alles mit einem kleinen unscheinbaren Spiel, das nur 5 Minuten dauert. Erstaunlich, oder?
Ein Spieler, der regelmäßig trainiert, hat bis hierhin seine Gedächtnisleistung meist mehr als verdoppelt. Hat er bisher das Kopfrechnen nicht als seine Kernkompetenz angesehen, sieht er nun selbst das Rechnen mit großen Zahlen als sportliche Herausforderung.
Spieler, die um diese plateauartige Leistungsentwicklung wissen, sind auch viel gelassener hinsichtlich ihrer Leistungen. Vera F. Birkenbihl empfahl uns: „Lerne das Niveau lieben“. Oder anders ausgedrückt: Es kommen bessere Zeiten, du musst nur Geduld haben.
Interessant ist, dass diese schubweise Leistungssteigerung immer beim Erlernen von Fertigkeiten auftritt, daher ist das bei Speedolino kein Einzelfall. Egal, ob wir Fahrradfahren lernen, Schreiben, Lesen, Klavierspielen, Tanzen, eine Sportart- immer gibt es den gleichen Effekt, der mit der Konsolidierung unserer Nervenbahnen mittels der Myelinschicht zu erklären ist.
Ein anderer Umstand fasziniert uns Entwickler allerdings auch:
Auch die Steigerungsrate der Speedolino-Fangemeinde scheint diesen Gesetzen zu entsprechen.
Beide Kurven- die eines Einzelspielers und die der Gemeinschaft sind fast deckungsgleich. Spannend! Sicherlich hat es auch damit zu tun, dass immer mehr Spieler sich für dieses Spiel begeistern und daher auch deutliche Steigerungsraten erzielt werden. Trotzdem: Während der Verkauf, also die Anzahl der Spieler einigermaßen gleichmäßig anstieg, entwickelte sich der Weltrekord, den wir seit Spielbeginn im Jahr 2011 registriert haben, in der beschriebenen Stufenform.

Eine kleine Anekdote aus den Anfängen von Speedolino
Warum Speedolino mit 5 Wochen Verspätung auf den Markt kam
„Fliegt das Ufo nun ab?“
Diese Frage beschäftigte Entwickler, Programmierer und Spieldesigner ganze fünf Wochen lang, nachdem das Spiel fertig programmiert war.
Zur Erklärung:
Die Außerirdischen, die es im Lernspiel Speedolino zu befreien gilt, werden von den (spielenden) Menschen erst dann sichtbar, wenn deren Gehirn entsprechend trainiert ist oder ganz konkret, wenn man als Spieler Level 5 geschafft hat. Das Sichtbarwerden von extraterrestrischen Lebewesen und deren Abflug kann also nur ein Mensch beobachten, wenn er wirklich gut im Memory spielen und im Kopfrechnen ist.
Und wir vier haben Level 5 einfach nicht geschafft. Somit konnten wir auch nicht kontrollieren, ob das Spiel auch funktioniert. Es blieb uns nichts weiter übrig, als zu trainieren. Und das machten wir ausgiebig.
Fünf Wochen später, nach vielen vergeblichen Anläufen die erlösende Meldung: „ET fliegt, Ufo gesichtet, das Spiel funktioniert bestens.“
Endlich konnte das Spiel nun in den Verkauf gehen.
In etwas leichterer Variante.